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Raus aus der Opferrolle – wann stecke ich drin und wie komme ich da raus?

„Das ist alles wegen …“
„Ich kann ja nicht anders …“
„Da kann ich doch nichts machen“
„Schuld sind doch die Anderen!“
„Wenn meine Eltern damals nicht …, dann …“

Kennen Sie solche Sätze? Von anderen? Oder sogar von sich selbst? Wir alle rutschen manchmal in solche Denkmuster und damit in die Opferrolle. Wir tun Dinge, die wir nicht wollen. Werden krank, erfolglos, unglücklich …. weil etwas geschehen ist, das von uns eine Reaktion erfordert.

Diese Reaktion ist in vielen Fällen Rückzug, Resignation und Nichtstun. Wir glauben, leiden zu müssen, weil der oder die etwas getan hat, weshalb es uns jetzt schlecht geht – aber

„Schmerz ist unvermeidlich, Leiden ist freiwillig“ Kathleen Casey

Wir können selbst darüber entscheiden, wie wir auf äußere Umstände reagieren und ob wir leiden wollen oder nicht! Oft laufen wir noch mit Verhaltensmustern aus der Kindheit herum, sind praktisch auf „Autopilot“ und reagieren völlig automatisch. Etwas zu ändern, erfordert einen neuen Blickwinkel, die Entscheidung für Neues und bringt auch manchmal eine Veränderung, die man vorher nicht einschätzen kann. Es entstehen Ängste wie „andere lehnen mich ab oder haben mich nicht mehr lieb, wenn ich …“

Die Herausforderungen des täglichen Lebens sind aber die Chancen, an denen wir wachsen können. Und meist sind diejenigen, die uns diese ganz besonderen Momente und Konflikte präsentieren, die Menschen, die uns im Leben weiterbringen.

Was ist der Vorteil der Opferrolle?

Solange wir uns als Opfer sehen, haben wir bequeme Entschuldigungen dafür, unsere Komfortzone nicht zu verlassen, nicht handlungsfähig zu sein, Dinge nicht zu schaffen oder festzustecken. Wir bekommen Aufmerksamkeit, Unterstützung und Mitgefühl. Wir gehören vielleicht sogar zu Gruppen, die durch diese Opferhaltung zusammenhalten (Selbsthilfegruppen beispielsweise) und würden diese Zugehörigkeit verlieren, wenn wir aus der Rolle des Opfers herauswachsen und es uns besser geht.

Wenn wir in Familien aufgewachsen sind, in denen solche Glaubensmuster wie „wir gehören nicht zu den Reichen, Glücklichen“ vorherrschen, werden wir möglicherweise sogar unserer eigenen Familie untreu, wenn wir nicht mehr den Umständen die Schuld geben. „Was glaubst du, wer du bist?“ könnte dann jemand sagen und uns verunsichern und aus Angst vor dem Nicht-Mehr-Dazugehören zurückschrecken lassen vor der Veränderung.

Und was ist der Nachteil der Opferrolle?

Als Opfer geben wir die Macht an andere ab. Wir lassen uns von Launen anderer anstecken, uns fremde Meinungen überstülpen, uns von fremden und liebgewonnenen Menschen ärgern und fühlen uns dann oft schlecht, weil wir es einfach mit uns geschehen lassen.

Ja  –  wir lassen geschehen, wenn wir uns als Opfer sehen! Wir erlauben damit selbst, dass wir leiden – und das bringt uns keinen Schritt weiter!

Zugegeben – es ist nicht einfach, sich in diesen Dingen selbst auf die Schliche zu kommen und eingefahrene Wege zu verlassen. Aber der Weg in die Eigenverantwortung ist vielversprechend! Wie viel besser könnte es Ihnen gehen, wenn Sie sich klar werden, wer und was Sie aus Ihrer Ruhe bringt, Ihnen den Tag vermiest und die Energie entzieht, die sie für ganz andere Dinge brauchen könnten!

Was kann ich tun, um aus der Opferrolle heraus zu kommen?

Wenn Sie in Zukunft in Situationen kommen, in denen Sie sich handlungsunfähig oder als Opfer fühlen,

  • hinterfragen Sie die Situation. Sind Sie denn wirklich wehrlos? Was wäre, wenn Sie selbst über Ihre Gefühle entscheiden würden? Sich entscheiden würden, Dinge nicht zu akzeptieren, Entscheidungen zu treffen … oder darüber zu lachen, was da geschehen ist? Bei näherer Betrachtung sind die Dinge nämlich manchmal ganz anders, als unser eigenes Kopfkino denkt!
  • Deshalb versuchen Sie auch, die „Gegenseite“ zu verstehen. Erkennen Sie Gründe, die aus deren Sicht stimmig sind? Und haben diese Gründe etwas mit Ihnen zu tun? Oder ist es einfach der „Autopilot“ des Gegenübers, der ihn so handeln lässt? Möglicherweise hat das nicht einmal etwas mit Ihnen zu tun.
  • Und dann schauen Sie, was das Gute an der Situation sein könnte. Vielleicht geht es darum, sich auf die eigenen Fähigkeiten zu besinnen, den eigenen Selbstwert zu erkennen und endlich Entscheidungen zu treffen, die schon lange fällig waren? Vielleicht hat diese Situation einen Hinweis für Sie?
  • Entscheiden Sie sich dafür, sich nicht herunterziehen zu lassen. Versuchen Sie, ganz bei sich zu bleiben und auf Ihre innere Stimme zu hören. Vielleicht ist da ein „eigentlich hab ich es gewusst“ oder ein „ich wollte immer schon…“

Vielleicht ist der Zeitpunkt, die Opferrolle zu verlassen, gerade JETZT?

  • Wie wäre es, sich jetzt zu entscheiden, Dinge einmal anders anzugehen?
  • Was könnten Sie konkret tun, um sich in Ihrer Situation besser zu fühlen?
  • Wie oder was müßten Sie denken, damit es Ihnen besser geht mit dem Thema?
  • Was würden andere Menschen in Ihrer Situation tun?
  • Braucht Ihre Beziehung ein klärendes Gespräch statt resigniertem Schweigen?
  • Geht es vielleicht darum, „nein“ zu sagen statt zu dulden?
  • Oder darum, eigene Wünsche zu äußern und umzusetzen?
  • Und was ist eigentlich Ihr eigener Anteil an dieser Situation? Haben Sie möglicherweise etwas dazu beigetragen, das dies Ergebnis gebracht hat?

Wenn Sie selbst nicht weiterkommen, um Ihre bisherigen Ketten zu sprengen und Ihre Opferrolle zu verlassen, bin ich als Coach gern an ihrer Seite. Möglicherweise gibt es tieferliegende und Ihnen völlig unbewusste Einflüsse, die Sie in Ihrer Entwicklung behindern.

 

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