Der allein geborene Zwilling

verlorener Zwilling - allein gebliebener Zwilling

verlorener Zwilling – allein gebliebener Zwilling

  • „Ich hab immer so ein Schuldgefühl“
  • „Ich bin anders. Mich versteht keiner. Irgendetwas stimmt mit mir nicht.“
  • „Ich warte … und weiß gar nicht, worauf“
  • „Ich hab panische Angst, verlassen zu werden“
  • „In engen Räumen fühle ich mich total unwohl – Fahrstuhlfahren, durch Tunnel fahren oder im Flugzeug fliegen – das geht für mich überhaupt nicht.“
  • „Ich bin immer so traurig. Ich hab das Gefühl, es fehlt irgendetwas, damit ich glücklich sein kann – aber ich weiß gar nicht, was es ist.“
  • „Sobald mir jemand zu nahe kommt, breche ich die Beziehung ab, obwohl es genau das ist, was ich eigentlich will.“
  • „Als mein zweites Kind geboren wurde, hat mein Großer zu ihm gesagt: „Ich hab soo auf Dich gewartet!“ – Was hat er damit wohl gemeint?“
  • „Meine Tochter hat neulich gesagt: „Ich wünschte, ich wäre ein Regenwurm und könnte mich durchschneiden. Dann könnte ich mit mir spielen.“ – ist das nicht merkwürdig?“

Solche und ähnliche Aussagen höre ich häufig in den Coaching-Gesprächen. In vielen Fällen steckt ein Thema dahinter, dass den Klienten überhaupt nicht bewusst ist und manchmal nur durch Zufall beim Familienstellen oder anderen Beratungs- und Therapiekonzepten aufgedeckt wird: „Der verlorene Zwilling – der allein geborene Zwilling“. Nicht jeder Betroffene leidet darunter und die oben genannten Anzeichen können natürlich auch ganz andere Ursachen haben. Dieses Thema kommt jedoch sehr viel häufiger vor, als man bisher vermutete und ist oft der Hintergrund vielfältiger Probleme.

Was versteht man unter einem allein geborenen Zwilling?

Ein allein geborener Zwilling ist jemand, der die Schwangerschaft zwar zu zweit (manchmal sogar zu dritt) begonnen hat, dann aber allein auf die Welt gekommen ist. Dieses Phänomen ist tatsächlich weit häufiger, als man bisher glaubte. Früher vermutete man, dass ungefähr jede zehnte Schwangerschaft zu Beginn eine Mehrlingsschwangerschaft ist. Manche Untersuchungen gehen heute allerdings davon aus, dass sogar jede dritte Schwangerschaft mit Mehrlingen beginnt.

In dieser gemeinsamen Zeit hört der Embryo schon etwa ab der 10. Woche nicht nur die Stimme und Geräusche der Mutter, sondern  vor allem in unmittelbarer Nähe auch das Herzklopfen des Geschwisterkindes, fühlt die Berührung, die Verbindung, den Kontakt und die Nähe zum anderen. Wenn sie älter werden, kommunizieren und spielen sie sogar miteinander. Doch nicht immer kommen beide Zwillinge zur Welt. Einer von beiden beendet die gemeinsame Reise und stirbt – vielleicht weil er zu klein, zu schwach oder nicht lebensfähig ist. Aber auch Abtreibungen oder Abtreibungsversuche spielen hier manchmal eine Rolle.

In der bisherigen paradiesischen Geborgenheit des Mutterleibs verliert der Überlebende das, was ihm am nächsten ist. Er hört den Herzschlag nicht mehr, spürt vielleicht erst nachlassende, dann keine Bewegungen mehr – und kann sich nicht erklären, was da passiert. Für den überlebenden Zwilling ist das ein Schock. Etwas, das schön war, ist vorbei. Unerklärlich.

Die werdenden Mütter älterer Generationen wussten meistens nicht, was geschehen war, denn die entsprechenden Untersuchungsmethoden, die heute zur Verfügung stehen, gab es damals ja noch nicht. Und Ärzte hielten diese Information – wenn sie dann bei den Geburten deutliche Hinweise fanden – auch häufig vor den Müttern geheim, um sie nicht zu beunruhigen oder zu erschrecken. Deshalb gab es für das überlebende Kind kein Verständnis, spezielle Zuwendung oder Trost. Sogenannte Schreikinder ließ man schreien, ohne zu wissen und zu hinterfragen, was der Grund sein könnte oder warum sie Angst vorm Einschlafen hatten und so besonders viel Berührung brauchten. Erst durch den frühen Ultraschall bei heutigen Untersuchungen wird diese Thematik immer häufiger bekannt, denn nun sehen die Behandler sehr früh, ob es einen Zwilling – oder sogar Drillinge geben wird. Und es wird dabei auch bemerkt, wenn eines der Geschwister vor der Geburt stirbt.

Was sind die Folgen für den allein geborenen Zwilling?

Er erleidet  schon im Mutterleib Todes- und Existenzangst, erlebt Ohnmachtsgefühle und versucht vielleicht, der Gefahr oder dem Körper des Geschwisters auszuweichen.  In frühen Schwangerschaftswochen bildet sich der Körper des Zwillings dann zurück und wird absorbiert, in späteren Wochen ist er eher fühlbar und präsenter für den Überlebenden. Wenn der Zwilling lange Zeit anwesend war, war die Beziehung schon intensiv, das Geschehen wirkt sich aus auf Gefühle, Glaubenssätze und die Identität des überlebenden Zwillings. Er entwickelt entsprechende Vermeidungsstrategien und Überlebensprogramme.

Oft entstehen Gedanken wie  „ich bin schuld daran – ich hätte dich retten müssen“, „ich mache mich klein, damit du es schaffst“, „ich darf nicht glücklich sein“ bis hin zu „ohne dich will ich nicht leben“. Und das Geschehen wirkt sich auch aus auf die späteren Partnerschaften. Die Angst, dass derjenige, den ich liebe, von mir gehen und sterben könnte, vermittelt ein Gefühl von Sehnsucht, gekoppelt an die Angst vor Nähe und Verlust. Auch wird der spätere Partner oft mit dem Zwilling verwechselt – das gewünschte Verschmelzen und der Gleichklang kann aber meist vom Partner nicht erfüllt werden.

Welches sind typische Anzeichen, dass jemand ein allein geborener Zwilling sein könnte?

  • Schuldgefühle
  • Einsamkeitsgefühl
  • Sehnsuchtsgefühl
  • Depressionen
  • Perfektionismus, Leistungsdruck
  • Selbstsabotage
  • Starkes Kontrollbedürfnis
  • übergroßes Interesse an den Themen Krankheit und Tod
  • An Freunden „kleben“, Angst vor Trennungen
  • Helfersyndrom
  • Co-Abhängigkeit
  • Geringer Selbstwert
  • Angst, den eigenen Raum einzunehmen
  • Verfolgungsgefühle, Angst vor Berührungen
  • Unerklärliche Panik
  • Eifersucht
  • Todessehnsucht
  • Wut

Körperliche Symptome, die bei allein geborenen Zwillingen beobachtet werden können

  • Hörschwierigkeiten
  • Kurzsichtigkeit
  • Skoliose(seitliche Wirbelsäulenverkrümmung)
  • Dermoid, Dermoidzyste und Theratom (spezielle Geschwüre mit Haaren, Zähnen u.a. vom verlorenen Zwilling)
  • Enge in der Brust/ Herzschmerz
  • Panikattacken, Zitterkrämpfe, Herzrasen, Schüttelfrost und Todesangst
  • Hauterkrankungen

 

Was kann man tun, wenn man die Vermutung hat, ein allein geborener Zwilling zu sein?

Vielleicht haben die gerade gelesenen Information etwas in Ihnen wachgerüttelt, eine Ahnung hervorgerufen oder ein „Aha!“-Erlebnis beschert.  Vielleicht werden Sie auch von ungeahnten Emotionen geschüttelt und können allein damit nicht zurechtkommen. Professionelle Hilfe eines erfahrenen, achtsamen Therapeuten oder Coaches, der sich mit diesem sensiblen Thema auskennt, macht im Gespräch das eigene Verhalten und Gefühlslage dem Klienten oft endlich verständlich. Das Gefühl „ich bin anders, mich versteht keiner“ und „irgendwas fehlt“ bekommt mit dieser Erkenntnis eine Erklärung und fühlt sich für die meisten an wie ein „ach deshalb!“

 

Wie wird das Thema des allein geborenen Zwillings in meiner Coachingpraxis behandelt?

In meinen Gesprächen arbeite ich mit diesen Anzeichen ebenso wie mit allen anderen Herausforderungen, Ängsten, emotionalen Verletzungen oder als traumatisch erlebten Ereignissen.  Oft wird in den Gesprächen nicht nur eine große Traurigkeit, sondern auch Wut erlebt (auf den verstorbenen Zwilling, manchmal aber auch auf die gemeinsame Mutter) und bearbeitet.  Hilfreich ist in diesem Fall auch häufig die Arbeit mit der Timeline – der eigenen Zeitschiene – die es möglich macht, auch den vorsprachlichen Bereich fühlbar zu machen, um ihn emotional neutralisieren zu können.

Im energetischen Coaching können die zugrundeliegenden Glaubenssätze, Ängste und Programme neutralisiert werden und  ermöglichen dadurch einen neuen Handlungsspielraum und ein leichteres Lebensgefühl. Auch auf die systemischen Zusammenhänge von Familien kann sich das Klären dieses Themas wohltuend auswirken.

Wichtig zu wissen:  Einige Zeit lang war das Thema des verlorenen Zwillings geradezu eine Mode-Erscheinung und wurde oft als Ursache vieler Probleme herangezogen. Aber nicht jeder Betroffene leidet und die oben genannten Anzeichen können auch ganz andere Ursachen haben!

Rufen Sie mich gern an unter 040-6010656, wenn Sie Fragen dazu haben.

 

 

Bücher zum Thema:

„Das Drama im Mutterleib – Der verlorene Zwilling“
Alfred R. Austermann  * Bettina Austermann
erschienen 2006

„Der verlorene Zwilling: Wie ein vorgeburtlicher Verlust unser Leben prägen kann“
Evelyne Steinemann
erschienen 2006

„Der allein gebliebene Zwilling“
Peter Bourquin * Carmen Cortés
erschienen 2016

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